Der Deutsche Bundestag bietet mit dem Parlamentarischen Patenschaftsprogramm (PPP) und dem Internationalen Parlaments-Stipendium (IPS) zwei unterschiedliche internationale Austauschprogramme an.
Das Parlamentarische Patenschafts-Programm ist ein Austauschprogramm zwischen dem Kongress der
Vereinigten Staaten von Amerika und dem Deutschen Bundestag. Es bietet jungen Deutschen und jungen Amerikanern die Möglichkeit eines einjährigen Aufenthaltes im jeweiligen Gastland. Als
Bundestagsabgeordnete habe ich seit 2003 bereits sechs jungen Frauen und Männern die Möglichkeit gegeben, in die USA zu reisen und dort neue Erfahrungen im Zusammenleben in einer anderen
Kultur kennenzulernen.
Gemeinsam mit der
Humboldt-Universität zu Berlin organisiert der Deutsche Bundestag das Internationale Parlaments-Stipendium. Qualifizierte, politisch interessierte junge Menschen aus den USA, Mittel-, Ost- und Südosteuropa lernen das parlamentarische
Regierungssystem Deutschlands kennen. Das Programm sieht u.a. ein fünfzehnwöchiges Praktikum bei Abgeordneten vor. Seit 2006 habe ich bereits zwei jungen Frauen aus Estland und Russland die
Möglichkeit gegeben, mich bei meiner Arbeit zu unterstützen.
Der Deutsche Bundestag gibt zusammen mit den drei Berliner Universitäten etwa 120 qualifizierten, politisch interessierten jungen Menschen aus 28 Ländern Gelegenheit, politische Entscheidungsprozesse kennen zu lernen und praktische Erfahrungen im Bereich der parlamentarischen Arbeit zu sammeln.
Ziel des Programms ist es, die Beziehungen Deutschlands mit den teilnehmenden Ländern zu fördern und zu festigen. Das Internationale Parlaments-Stipendium (IPS) ist eine langfristige Investition in die Festigung demokratischer Werte und Toleranz sowie in kulturelle Vielfalt und friedliches Zusammenleben in Europa. Darüber hinaus fördert das Programm die Verständigung und Kooperation zwischen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern unterschiedlicher Kulturen
Das Programm findet jährlich im Zeitraum vom 1. März bis 31. Juli statt.

„Der Tag wird kommen, an dem du, Frankreich, du, Russland, du, Italien, du, England und du, Deutschland, all ihr Völker dieses Erdteils, zu einer höheren Einheit verschmelzen werdet, ohne eure verschiedenen Vorzüge und eure ruhmreiche Einzigartigzeit einzubüßen, und ihr werdet eine europaïsche Bruderschaft bilden, genauso wie die Normandie, die Bretagne, Burgund, Lothringen und das Elsaß, all unsere Provinzen, in Frankreich aufgegangen sind.“ Victor Hugo in Douze Discours, 1850
So hatte Victor Hugo, der Schriftsteller von Notre Dame de Paris in 1850 die Zukunft Europas vorgesehen. Heute haben wir in Europa eine politische Union, wir bauen eine starke und solide Europa, die sich für ihre humanistische, soziale und ökologische Werte kämpft. Aber das Hauptziel der Zusammenarbeit zwischen den europäischen Völkern ist noch nicht erreicht. Wir geben uns Mühe uns zu verstehen, wir probieren ständig die Kultur des Anderen zu begreifen, aber trotzdem manchmal klappt das einfach nicht.
Mein Name ist Gabriel Richard-Molard. Ich habe die Ehre dieses Jahr an dem Internationalen Parlaments Stipendium Programms teilzunehmen. Dieses Programm, das seit mehr als 20 Jahren existiert, probiert die politischen Beziehungen zwischen Deutschland und 27 europäische Demokratien (inklusive den USA) zu verstärken. Seit 20 Jahren haben mehrere Tausend junge Frau und Männer dieses Praktikum absolviert und wieder in der Heimat ein besseres Verständnis zu Deutschland und zu Europa mit sich mitgenommen. Mit solchen Beispiele und Programmen baut sich ganz konkret das Verständnis zwischen den Völker Europas.
Ich stamme ursprünglich aus Montpellier, Frankreich. Ich bin am Mittelmeer geboren, habe in Strassburg und Tübingen europäische Politikwissenschaft und Jura studiert, und in Brüssel und Berlin gearbeitet. Am Rand meines politischen Engagements in der französischen Parti Socialiste ist es für mich von großer Bedeutung hier im Bundestag arbeiten zu dürfen. Meine Großväter, die gegen die Nazis im zweiten Weltkrieg in der französischen Widerstand gekämpft haben, haben mir immer gesagt, dass Zukunft Europas könnte nur durch der deutsch-französischen Versöhnung geschafft sein. Tatsäschlich bin ich ein reines Fabrikat dieser Denkensweise. Deswegen haben sich mein Studium und mein politisches Engagement immer nach dieser Idee eines gemeinsamen, politischen integrierten und handlungsfähigen Europas gestrebt. Wenn ich mich für dieses Programm in Frankreich beworben habe, ist mir klar gefallen, dass im Bundestag zu arbeiten, einen Weg für mich an dieses Versöhnungsziel teilzunehmen wäre.
Seit Mitte März arbeite ich für Petra Merkel. Außer, dass sie selbstverständlich eine pflichtbewusste Abgeordnete, engagierte Bürgervertreterin und eine entschlossene Sozialdemokratin ist, besitzt sie auch die Eigenschaft einen gute Mensch zu sein. Unter diese Bedingungen kann ich nur ein erfolgreiches und erfahrungsvolles Praktikum absolvieren und sicherlich meinem kleinen Teil an dem Versöhnungs- und Völkerverständnisprojekt leisten.
Evgenia Kvasova kommt aus Irkutsk, Russland, und stellt sich hier vor:

"Mein Name ist Evgenia Kvasova ich komme aus Russland, genauer aus sibirerischer Stadt Irkutsk. In Jahr 2009 nehme ich als eine von 110 Stipendiatinnen und Stipendiaten aus 22 Ländern an der IPS (internationales Parlamentstipendium) - Programm teil. Durch dieses Programm bekommen junge Leute aus Europa und Amerika eine einzigartige Möglichkeit fünf Monaten in einem Abgeordnetenbüro des Deutschen Bundestages Praktikum abzuleisten, und alltägliche parlamentarische Arbeit mitzuerleben.
Dieses Jahr ist, finde ich, für das Praktikum in Deutschen Bundestag besonders interessant, weil es ein Jubiläumsjahr ist: 60 Jahre Grundgesetz und 20 Jahre nach dem Mauerfall. Und was mir hauptsächlich von großem Interesse ist, dass es im Sommer wahrhafte Wahlkampfvorbereitung zur Bundestagwahl 2009 anfängt.
Erst in Berlin habe ich erfahren, dass ich bei Petra Merkel mein IPS - Praktikum absolvieren werde, und als ich zum Kennenlernen ins Büro gehen musste, war ich natürlich aufgeregt, weil ich nicht wusste, inwiefern ist es im Büro strenggerichtet; wie ich angenommen werde, ob die Politik - Leute sind nur Berufsmenschen, die sich nur an seiner Arbeit interessieren und dazu noch ein Dutzend von Fragen, die offensichtlich alle Stipendiaten an sich am ersten Tag vorlegen. Aber eine angenehmste Überraschung erwartete mich! Petra hat mir am ersten Tag warmherzig begegnet, und auch sehr freundlichen Empfang fand ich bei den ihren Mitarbeiterinnen. Das hat mir sehr gut gefallen, dass die Freundschaft - und Vertrauensverhältnisse im Büro zwischen den Mitarbeitern herrschen.
Seit dem ersten Praktikumstag bin ich zur spannenden Arbeit herangezogen: einerseits, weil unseres Praktikum gerade in Sitzungswoche angefangen ist; anderseits, weil Petra und die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen von ihr alle meine Fragen beantwortet haben und mir in allen Einzelheiten Arbeitsablauf erklärt haben.
Derzeit läuft meine erste Praktikumswoche, aber ich habe schon viel neue Information über die Parlamentsarbeit mitbekommen, außerdem habe ich schon die Arbeitsgruppe, Sitzung von Parlamentarische Linke und Sitzung von SPD-Fraktion des Abgeordnetenhauses von Berlin besucht. Ich wünsche, dass mein Praktikum weiter auch so lebendig und interessant läuft, wie es angefangen ist. Und selbstverständlich bin ich schon gespannt auf Veranstaltungen in Wahlkreisbüro und auf die kommende Wahlkampfvorbereitung.
Ziya Gaziyev kommt aus Baku, der Hauptstadt von Aserbaidschan und stellt sich hier vor :

„Mein Name ist Ziya Gaziyev, komme aus Aserbaidschan, der im östlichen Südkaukasus direkt am Kaspischen Meer und in den kaukasischen Bergen liegt.
Zurzeit mache ich mein Praktikum in Rahmen vom Internationalen Parlaments-Stipendium bei der SPD-Abgeordnete Petra Merkel im Bundestag. Nach meinem Studium in Baku (Aserbaidschan) und Freiburg (die Schweiz) arbeite ich jetzt daran für meine Masterarbeit an der Universität Magdeburg zu recherchieren. Ich habe vor diese über den Einfluss regionaler Konflikte auf die Integration Süd-Kaukasus in die EU-Institutionen zu schreiben.
Ansonsten interessiere ich mich besonders für die Jugendarbeit und leite in diesem Sinne Aserbaidschanische Jugendliche Euro-Atlantische Organisation, die sich u.a. für die Förderung Euro-Atlantischer Werte in aserbaidschanischer Gesellschaft setzt.
In meiner Freizeit gehe ich gern ins Kino, Theater und spiele meistens Fußball.“
Auch dieses Jahr konnte ich wieder eine „Internationale Parlaments-Stipendiatin“ in meinem Büro „aufnehmen“. Julia Fait aus Russland wird bis Juli in Deutschland bleiben. Sie wird hier von ihren Erlebnissen und ihren Reisen in Deutschland berichten:

„Hallo! Ich heiße Julia Fait, bin 23 Jahre alt und komme aus Nowosibirsk, Russland. Derzeit absolviere ich als einer von 100 jungen Leuten aus aller Welt im Rahmen des IPS-Programms ein Praktikum im Deutschen Bundestag, genauer im Büro von Petra Merkel.
Seit 1986 führt der Deutsche Bundestag das Internationale Parlaments-Stipendium (IPS) durch. Qualifizierte, politisch interessierte junge Leute aus den USA und Mittel-, Ost- und Südosteuropa bekommen die Möglichkeit das parlamentarische Regierungssystem Deutschlands kennen zu lernen. Was vor 20 Jahren als Bundestags-Internship-Programm für 20 junge Amerikanerinnen und Amerikaner begann, hat sich mittlerweile zu einem Ausbildungsprogramm für junge Menschen aus 21 Ländern entwickelt. Gemeinsam mit der Humboldt-Universität zu Berlin hat der Deutsche Bundestag für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein höchstinteressantes und facettenreiches Programm ausgearbeitet. Stipendiatinnen und Stipendiaten die Gelegenheit Vorlesungen an einer von drei Berlins Universitäten (FU, HU, TU) zu besuchen. Es gibt auch zahlreiche Veranstaltungen, Reisen und Treffen, die mit der Hilfe von den politischen Stiftungen organisiert sind.
Kernstück des Programms ist das Praktikum im Abgeordnetenbüro. Alle Stipendiatinnen und Stipendiaten haben mit der Spannung ihren ersten Arbeitstag im Büro erwarteten. Ich war keine Ausnahme. Wie die meisten Stipendiaten nahm auch ich an, dass die Mitarbeiter des Deutschen Bundestages uns gegenüber sehr reserviert, zurückhaltend und vielleicht etwas kühl reagieren. Zu meiner positiven Überraschung wurde ich allerdings von den Mitarbeitern des Büros und auch von Petra selbst sehr freundlich und warmherzig aufgenommen. Sie sind offen für meine Fragen und haben mich in die Arbeitsabläufe eingebunden. So kann ich nicht nur einen tiefen Einblick in die Funktionsweise des Parlaments gewinnen, sondern auch in den Tagesablauf und die Pflichten eines Abgeordneten. So konnte ich bei einigen Veranstaltungen im Wahlkreis zugegen sein und mehr über die Anliegen der Wähler erfahren. Bei anderer Gelegenheit konnte ich bei einer Führung von jungen Eltern mit ihren Kindern durch das Reichstagsgebäude teilnehmen.
Ich hoffe, dass mein Praktikum auch weiterhin so fruchtbringend und horizonterweiternd bleibt und mir für die Zukunft neue Wege aufzeigt. Vielleicht lässt sich mit dem einen oder anderen der Kollegen aus dem Büro auch später noch ein freundschaftlicher Kontakt halten.

Fortbildungsseminar für IPSler zum Thema „Volksgruppen und nationale Minderheiten in Deutschland“ in Schleswig-Holstein.
Im Zeitraum vom 16. bis 21. Mai fand im Rahmen des Programms „Internationales Parlaments-Stipendium“ ein Fortbildungsseminar in der Akademie Sankelmark bei Flensburg statt. Das Thema des Seminars war „Volksgruppen und nationale Minderheiten in Deutschland“. Der Platz für das Training war nicht zufällig ausgewählt. Schleswig-Holstein liegt als Bundesland in Deutschland ganz oben, im Norden, wenn man es geografisch betrachtet. Schleswig-Holstein steht mit seiner Minderheitenpolitik ebenfalls ganz oben in Deutschland: dieses Land hat deutschland- und europaweit den Ruf, eine vorbildliche Minderheitenpolitik zu praktizieren, und das hat eine lange Tradition. In Schleswig-Holstein leben seit Jahrhunderten drei alteingesessene Minderheiten und Volksgruppen – die Dänen, die Friesen und die Sinti und Roma. Während des Seminars bekamen wir, IPSler, nicht nur die hervorragende Möglichkeit hinter die Kulissen dieser Politik zu schauen, sondern auch mit den Vertretern jeweiliger Minderheit zu unterhalten und dadurch mehr über die Sprache, Kultur und die Realien ihres Lebens zu erfahren.
Das Programm des Seminars bestand aus den zahlreichen Exkursionen, Diskussionen, Besuchen und Workshops. Hier möchte ich ein paar Wörter über die Veranstaltungen sagen, die mich persönlich am meisten beeindruckten.
Die dänische Minderheit in Deutschland
Am ersten Tag besuchten wir das dänische Gymnasium Duborg Skole in Flensburg. Die Schüler des Gymnasiums machten für uns eine Führung durch das Gymnasium mit dem anschließenden Gespräch über das Alltagsleben in einer nationalen Minderheit. Im Norden Schleswig-Holsteins leben ungefähr 15 000 Menschen mit der deutschen Staatsangehörigkeit und dänischer Kultur und Sprache. Die Dänen haben in Deutschland eine hochentwickelte nationale Infrastruktur, und zwar: dänische Kirche, Bank, 49 Schulen, 57 Kindergärten, eigene Partei (Südschleswigscher Wählverband), Zeitung (Flensborg Avis) etc.
Die friesische Volksgruppe in Schleswig-Holstein
Am zweiten Tag unternahmen wir einen Fahr nach Insel Föhr (Schleswig-Holsteinische Westküste), wo die Vertreter der friesischen Volksgruppe für uns eine Präsentation von Beispielen der friesischen Kultur machten.
Im Nord-Westen Schleswig-Holsteins leben ca. 10 000 Menschen mit der Deutschen Staatsangehörigkeit und friesischer Kultur und Sprache. Friesen lebten in Deutschland seit Mittelalter und haben kein eigenes Heimatland mehr (einige von denen leben in Niederlanden und Niedersachsen). Friesen pflegen ihre eigenartige Sprache und Kultur. Im Vergleich mit der dänischen Minderheit hat die friesische Volksgruppe nicht so hochentwickelter Netz der nationalen Institutionen.
Die Türkische Gemeinde in Kiel
Besonderes beeindruckend war für mich der Besuch der türkischen Gemeinde im Kieler Stadtteil Gaarden. Die im Jahre 1998 gegründete türkische Gemeinde in Schleswig-Holstein ist eine Interessengemeinschaft der in Schleswig-Holstein lebenden Bürgerinnen und Bürger türkischer Herkunft. Ziel der Gemeinde ist Jugendliche mit Migrationshintergrund zu höheren schulischen Qualifikationen zu motivieren sowie ihnen bei der vorberuflichen Orientierung zu helfen. Es gibt verschiedene Projekte, die mit der Hilfe der türkischen Gemeinde in Schleswig-Holstein durchgeführt werden, z.B. „Ausbildung und Integration für Migranten“ (seit 1998), „Initiative zur Berufs- und Beschäftigungsmotivierung“ (seit 2001).
Im Rahmen der Gemeinde existiert eine Arbeitsgruppe der türkischen Jugendlichen, die sich stark mit der Pflege der türkischen Kultur, Traditionen sowie der Aufbau einer effektiven Kooperation zwischen Wirtschaft und Schule engagieren.
Alle Jugendlichen der türkischen Gemeinde in Kiel sprechen perfekt Deutsch, haben erstklassige Ausbildung, sind sehr engagiert und motiviert. Es war wirklich hochstinteressant mit ihnen zu diskutieren. Am Ende der Exkursion entspannten wir uns bei der Tasse schwarzer Tee mit verschiedenen selbstgemachten türkischen Spezialitäten.
Resümierend wollte ich sagen, dass es eine wunderschöne Reise war. Alles von der Unterkunft bis Exkursionen und Seminaren wurde auf sehr hohem Niveau organisiert. Wir wohnten auf dem Territorium der Europäischen Akademie Sankelmark, die sich gerade am Ufer des Sankelmarken See befindet. Unsere Nachbarn waren die schönste und berühmteste Deichbewohner Schleswig-Holsteins – schneeweiße Schaffen und schwarz-weiße Kühe. Es war ein Vergnügen in so einer märchenhaften Umgebung zu arbeiten."
Seit dem 27. März 2006 gibt es eine neue „Mitarbeiterin“ in meinem Bundestagsbüro, Karin Victoria Kuuskemaa aus Estland. Karin ist Teilnehmerin des IPS-Programms des Deutschen Bundestages. Ich habe sie gebeten, ihre Eindrücke festzuhalten und möchte sie gerne Ihnen weitergeben – vieles sieht man als Gast anders und oft auch deutlicher als wir vor Ort…

"Berlin, am 31. März 2006
Hallo!
Ich bin eine Stipendiatin aus Estland und werde für 4 Monate die Arbeit des Deutschen Bundestages und der Abgeordnete Frau Petra Merkel kennen lernen. Das Ziel meines Aufenthalts ist die Stärkung der kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse zwischen Deutschland und Estland und auch anderer Länder, weil in der gleichen Zeit sind hier in den Büros von Abgeordneten des Deutschen Bundestages Stipendiaten und Stipendiatinnen aus insgesamt 21 Länder. Diese 21 Länder sind die Vereinigten Staaten und Frankreich, Baltikum und viele Mittel- und Ost-Europäische Länder. Während des Praktikums werden wir einerseits viele politische Stiftungen besuchen, an unterschiedlichen Seminaren und Vorlesungen über politische Themen teilnehmen, Brüssel, die „Hauptstadt“ der Europäischen Union und Vorlesungen an Berliner Universitäten besuchen. Andererseits werden wir während der Zeit in Berlin hoffentlich auch die Arbeit von Abgeordneten gründlich kennen lernen – es ist ja eine höchst spannende, vielseitige und komplizierte Arbeit!
Am ersten Tag, als ich in das Büro von Petra Merkel gekommen bin, habe ich erst gedacht, dass es hier lauter ältere ernsthafte Männer sind, die mit mir bestimmt nicht viel reden werden und die ganzen Tage etwas recherchieren und lange Reden schreiben. Als ich angekommen bin, haben mich zwei fröhliche und herzliche junge Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen begrüßt. Gleich danach kam auch die Abgeordnete, genauso herzlich und offen wie ihre Mitarbeiterinnen. Ich war überrascht! Und sofort hat sie mich zur Landesgruppe mitgenommen, was ich sehr interessant fand. Ich habe dann angefangen zu denken, ob ich mir eine falsche Arbeit gewählt habe! Es ist doch höchst interessant sich oft mit unterschiedlichen Leuten zu treffen und über alle möglichen Themen zu diskutieren. Es sieht im ersten Blick eine reizende Arbeit aus. Wenn man aber ein bisschen länger die Arbeit einer Abgeordneten zuschaut, sieht man aber, wie breit der Themenbereich ist, worüber die Abgeordneten bescheid wisse müssen und wie viele Termine, Ausschüsse, Sitzungen, Gespräche und Veranstaltungen sie haben. Es kommen ja nicht die meisten Angeordneten aus Berlin! - am Abend nach der Arbeit (wie spät auch immer) können sie nicht nach Hause gehen und am Wochenenden haben sie auch einen langen Weg vor sich. Die Arbeit einer/s Abgeordnete/n ist nicht leicht und das kann man nicht ohne Hilfe der Mitarbeiter schaffen. Es sind ja nur 24 Stunden am Tag für uns alle zur Verfügung! Deshalb muss man schon Achtung geben!
Als ich in das Büro zurückgekommen bin, habe ich gelernt, wie man einen guten Schlagmilch bekommt: nämlich muss man in den Milch ein bisschen Wasser fügen ïŠ. Ich wusste schon immer, dass was auch immer man lernt, es kommt dem Menschen zugute – es ist wieder ein Beweis dafür und jetzt haben wir am jeden Morgen einen guten Milchkaffee!
An meiner ersten Woche war ich auch im Plenum. Von der Besuchertribüne aus war es interessant die Abgeordneten der verschiedenen Parteien zu beobachten – wer wann und wie kritisch spricht, wie viele Fragen die Abgeordneten in Oppositions-Parteien stellen, wie kritische, radikale und man könnte auch sagen – unhöfliche Reden die halten, so etwas habe ich in Deutschland zum Ersten Mal gesehen! Wäre sehr interessant diese Leute auch später Mal irgendwo treffen – wie benehmen sich die Grünen oder Linken dann gegenüber den anderen? Weil sonst sind ja die Deutschen höchst höflich und freundlich! In der Politik kommt auch aber etwas anderes vor.
Was mir auch in Deutschland immer auffällt, ist die Deutsche höfliche Art die Menschen anzusprechen. Bei uns werden Menschen meistens nicht mit Titeln –Frau Abgeordnete, Herr Doktor usw – angesprochen. Bei uns sind die Doktoren Ärzte und normalerweise werden die Menschen mit Frau oder Herr angesprochen. Deshalb sind bei uns die Reden auch viel kürzer!
Aber mal sehen dann, was für neue Erfahrungen ich in weiteren Monaten machen werde und ob ich dann wirklich ernsthafte Gedanken haben werde immerhin eine Politikerin zu werden!
Mit freundlichen Grüßen- Karin Victoria"