Die Bundestagsabgeordnete Petra Merkel eröffnete am 31.Oktober in ihrem Wahlkreisbüro in der Goethestraße 15 die Ausstellung „Vergessene Nachbarn – Stolpersteine in Charlottenburg-Wilmersdorf“. Die Ausstellung widmet sich dem Kunst- und Gedenkprojekt „Stolpersteine“ des Künstlers Gunter Demnig, der 2005 für seine Arbeit mit dem Jugendmedienpreis der SPD Charlottenburg-Wilmersdorf „Das Rote Tuch“ ausgezeichnet wurde. Inzwischen erinnern über 30.000 Stolpersteine in ganz Europa an die jüdischen Menschen, die von 1941 bis 1945 deportiert wurden und dem nationalsozialistischen Vernichtungswahn zum Opfer fielen.
Die Ausstellung verdeutlicht mit Text- und Bilddokumenten das Schicksal einzelner Berliner Juden, deren letzte frei gewählte Wohnadresse sich zum Teil in unmittelbarer Nähe des Wahlkreisbüros befand. Heute erinnern Stolpersteine vor den einstigen Wohnhäusern an sie. „Hier wohnte“ ist darauf zu lesen, sowie der Name, das Geburtsdatum und die Daten der Deportation und der Ermordung. "Ein Mensch ist erst vergessen, wenn auch sein Name vergessen ist", sagt Gunter Demnig. Die Ausstellung greift diesen Gedanken auf und lässt die Erinnerung an die einstigen jüdischen Nachbarn lebendig werden.

Ein ganz wichtiger Bestandteil des Stolperstein-Projektes ist die Recherche zu den jüdischen Menschen und die Suche nach Angehörigen. Helmut Lölhöffel, Koordinator der überparteilichen Stolpersteininitiative des Bezirkes Charlottenburg-Wilmersdorf, betonte, dass dies häufig nicht leicht sei – Unterlagen seien verschwunden, Angehörige würden nicht selten im Ausland leben oder seien bereits verstorben. Und dennoch gelänge es immer wieder mit viel Mühe und Geduld etwas über diese Menschen herauszufinden. Daher unterstützt die Initiative die Bemühungen, Angehörige ausfindig zu machen, ausdrücklich.
So hat zum Beispiel Marianne Pousset, die vor Jahren für die ehemaligen jüdischen Bewohner Stolpersteine vor ihrem Wohnhaus in der Wielandstraße 30 und 31 verlegen ließ, umfangreich über das Leben dieser Menschen recherchiert. Sie sagt, sie wollte es einfach wissen. In der Ausstellung stellt sie das Schicksal von Margarete Freund vor, die ihre letzte frei gewählte Wohnung in der Wielandstraße 31 hatte und 1942 nach Warschau deportiert wurde. Eindrucksvoll berichtete Marianne Pousset den Gästen der Ausstellungseröffnung von dem Zufall, der dazu führte, dass sie den Sohn von Margarete Freund in Australien ausfindig machen konnte und von ihm wertvolle Dokumente der Familiengeschichte erhielt.

Monika Wissel, Bezirksbürgermeisterin a.D. und Mitglied der überparteilichen Stolpersteininitiative des Bezirks (rechts) mit einer Besucherin der Ausstellung
Die Erinnerung an die Menschen, die dem Holocaust zum Opfer fielen, muss lebendig gehalten werden. Damit uns ihr Schicksal gegenwärtig bleibt und Rassismus und Fremdenhass in Deutschland nie wieder eine Chance haben!
Die Ausstellung ist noch bis zum 2. März 2012 zu den Öffnungszeiten des Wahlreisbüros (montags und dienstags 12 bis 16 Uhr, mittwochs und donnerstags 10 bis 14 Uhr) zu besichtigen. Zudem besteht die Möglichkeit für Gruppen einen individuellen Besichtigungstermin außerhalb dieser Zeiten zu vereinbaren. Zur Vereinbarung eines Termins wenden Sie sich bitte an das Büro von Petra Merkel: telefonisch unter 030 – 227 77263 oder per E-Mail an petra.merkel@wk.bundestag.de.
Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 04.11.11 um 12:54 Uhr
Kategorie(n): Aus Charlottenburg-Wilmersdorf, Aus Berlin, In Europa, Termine von Petra Merkel