Berlin, 2.4.2009
Veranstaltung der AG 60 plus zum „Tag der älteren Generation“
Seit vielen Jahren findet amersten Mittwoch im April bundesweit der „Tag der älteren Generation“ statt. Mit Veranstaltungen und Aktionen macht die Arbeitsgemeinschaft 60 plus der Sozialdemokraten an diesem Tagauf die Belange der älteren Menschen in unserer Gesellschaft aufmerksam. In Berlin lud die AG 60 plus in diesem Jahr gemeinsam mit Petra Merkel, SPD-Bundestagsabgeordnete fürCharlottenburg-Wilmersdorf, am 1. April zu einer Diskussionsveranstaltung in das Altenselbsthilfe- und Beratungszentrum des Sozialwerks Berlin ein.
Passend zur Europawahl stand der diesjährige Aktionstag unter dem Motto „Unser Europa: Sozial, sicher, solidarisch“. Ein zentrales Thema für die ältere Generation istdie Wohnsituation im Alter. Die meisten Älteren wollen die eigenen vier Wände nicht verlassen. Auch dann nicht, wenn sie auf Hilfe angewiesen sind. Ob Altersheim, Seniorenstift, BetreutesWohnen oder die eigenen vier Wände – Möglichkeiten gibt es viele. Wünsche ähneln sich. Doch gibt es die eine Lösung für Wohnen im Alter? Gemeinsam mit KäteTresenreuter, Gründerin des Sozialwerk Berlin e.V., Dr. Jochen Hucke von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin, Katrin Mahdjour von der Wohnungsbaugesellschaft GEWOBAG, RudolfKujath, Geschäftsführer der SOPHIA Berlin GmbH – „Soziale Personenbetreuung – Hilfen im Alltag“ und Werner Kleist, Vorsitzender der Berliner AG 60 plus, diskutiertePetra Merkel Perspektiven, die Senioren ein selbstbestimmtes Wohnen im Alter ermöglichen.
Selbstbestimmung und Selbsthilfe
„Die älteren Menschen wollen mitreden und mitentscheiden, was gut für sie ist“, sagt auch Käte Tresenreuter. Sie selbst gilt als Vorreiterin, wenn es um Selbstbestimmungund Selbsthilfe von Senioren geht. 1971 gründete sie mit ihrem Mann den Verein Sozialwerk Berlin. Unter dem Motto „Ältere Menschen helfen anderen älteren Menschen“ wurdengesellige Zusammenkünfte organisiert, gemeinschaftsbildende Veranstaltungen kultureller Art angeboten und viele Interessengruppen gegründet. Ein Altenselbsthilfe- und Beratungszentrum wurdegeplant und gebaut. „Die Arbeit von Frau Tresenreuter und den Menschen vom Sozialwerk Berlin ist beispielhaft – für Deutschland und Europa. Das ist der Beweis, dass Senioren ihreBelange und Anliegen auch weiterhin erfolgreich selbst in die Hand nehmen können“, so Petra Merkel.

Diese Einschätzung teilten auch die anwesenden Gäste. In der Diskussion wurde schnell klar, dass die älteren Menschen mitreden und mitentscheiden wollen. Doch allein der Wille inder vertrauten Umgebung wohnen zu bleiben, reicht nicht. Die Mietshäuser und -wohnungen müssen an die Bedürfnisse älterer Menschen angepasst werden. Barrierefreie Zugänge undAufzüge werden beispielsweise benötigt. Nicht immer sind diese auch zu realisieren.
Die großen Wohnungsbaugenossenschaften haben erkannt, dass Senioren besondere Anforderungen an ihre Wohnung stellen. Die älteren Mieter schätzen ihr eigenständiges Leben,wollen aber trotzdem nicht auf gesellige Nachmittage verzichten. So bietet die GEWOBAG in ihren Seniorenwohnhäusern Gemeinschaftsräume an, die für ein Miteinander sorgen und dazubeitragen, die Lebensqualität zu verbessern.

Soziale Netzwerke
Bauliche Veränderungen der Wohnungen und technische Hilfsmittel wie Hausnotrufsysteme bieten vielen älteren Menschen eine Möglichkeit, in den eigenen vier Wänden wohnen zubleiben. Doch um die Isolierung in der eigenen Wohnung zu verhindern, sind soziale Kontakte, sind Gespräche mit den Nachbarn oder mit dem Hausmeister noch viel wichtiger. Hier ist die gesamteGesellschaft gefragt. Ein menschliches, soziales Miteinander kann zwar nicht den fehlenden Fahrstuhl ersetzen, doch macht es das Leben wertvoller. Eine Gesellschaft, in der einer für den andereneinsteht – ob Jung, ob Alt – lebt vom Zusammenhalt der Generationen. Dem ehrenamtlichen Engagement wird hier künftig ein immer höherer Stellenwert zukommen.
Was kann Politik tun
Doch auch die Politik ist gefragt. Petra Merkel wies auf die wichtigen Erfolge der SPD-Bundestagsfraktion hin. Mit der Reform des Gemeinnützigkeitsrechts „Hilfen für Helfer“wurden 2007 die steuerlichen Rahmenbedingungen für das bürgerschaftliche Engagement verbessert.
In den vergangenen Jahren hat die SPD-Bundestagsfraktion auch die Rahmenbedingungen für seniorengerechtes Wohnen kontinuierlich verbessert: Nach dem Sozialgesetzbuch XI (Pflegeversicherung)werden Maßnahmen für die Verbesserung des Wohnumfeldes gefördert. Mit der Pflegereform wird durch das so genannte „Poolen“ von Leistungsansprüchen die Nutzung neuerWohnformen oder Wohn- und Hausgemeinschaften erleichtert. Die wohnortnahen Pflegestützpunkte, die Beratung und Unterstützung „aus einer Hand“ liefern, werden zentrales Themaeiner Veranstaltung sein, die Petra Merkel für Juni 2009 geplant hat.
Es gibt zudem verschiedene Förderprogramme für Modernisierungsmaßnahmen in Häusern und Wohnungen. Bestimmte steuerrechtliche Regelungen erleichtern Maßnahmen desalternsgerechten Um- und Ausbaus von Häusern und Wohnungen. Für 2009 wurde ein neuer Titel „Altengerecht Umbauen“ im Haushalt des Bundesministeriums für Verkehr, Bau undStadtentwicklung eingestellt: Mit zusätzlichen 80 Millionen Euro jährlich werden alten- und behindertengerechte Anpassungen von Wohnraum noch besser gefördert.

Fazit
Das Fazit des Tages war eindeutig. Dem demographischen Wandel muss Rechnung getragen werden. Auf sozialer wie auch auf baulicher Ebene gilt es konsequent zu Handeln. Dabei müssen Politik,soziale Netzwerke sowie Wohnungsbaugenossenschaften und Hausvermieter eng zusammen arbeiten. „Sicheres Wohnen im Alter, wie es SOPHIA mit dem Hausnotrufsystem ermöglicht, seniorengerechteWohnungen wie die GEWOBAG sie anbietet und ehrenamtliches Engagement wie beim Sozialwerk Berlin sind beispielgebende Projekte für ein Europa, in dem Altern in Würde möglich ist“,erklärt die Bundestagsabgeordnete Petra Merkel.
Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 31.03.09 um 13:53 Uhr
Kategorie(n): In Europa